Nachdem US-Präsident Donald Trump medienwirksam seit Wochen die Freigabe von UFO/UAP-Akten der US-Regierung angekündigt hat, war es am 8. Mai soweit, das erste Release mit 158 Schrift- und Bilddokumenten wurde freigegeben und steht auf der Webseite des US-Kriegsministeriums (DOW) zum Download zur Verfügung. Der erste Launch der Seite listete 161 Dokumente, enthielt aber Duplikate.
Auf der Webseite befindet sich zu Beginn eine kleine Galerie mit ausgewählten Fotos aus Infrarotaufnahmen neueren Datums, die quasi als Teaser dienen. Darunter finden sich kurze Statements von Donald Trump und Kriegsminister Pete Hegseth sowie ein als „Directive“ bezeichneter, kurzer einleitender Text. Hier ist ein Absatz für das Verständnis der als „Unresolved UAP Report“ bezeichneten Videoaufnahmen wichtig, was gerne auch zu Missverständnissen führt. Unresolved, also ungelöst, ist hier ein sehr weitgefasster Begriff, der alles umfasst, was nicht eindeutig identifiziert werden kann. Es werden also keine Beurteilungen nur nach Indizien oder Wahrscheinlichkeiten vorgenommen, wie es sonst in der UFO/UAP-Forschung üblich ist:
The materials archived here are unresolved cases, meaning the government is unable to make a definitive determination on the nature of the observed phenomena. This can occur for a variety of reasons, including a lack of sufficient data, and the Department of War welcomes the application of private-sector analysis, information and expertise.
Bei den hier archivierten Unterlagen handelt es sich um ungeklärte Fälle, was bedeutet, dass die Regierung keine endgültige Feststellung zur Art der beobachteten Phänomene treffen kann. Dies kann verschiedene Gründe haben, darunter auch einen Mangel an ausreichenden Daten, und das Kriegsministerium begrüßt die Einbringung von Analysen, Informationen und Fachwissen aus dem Privatbereich.
Auch zu den Dokumenten, vor allem zu den Missionsberichten seitens des DOW, findet sich ein ähnlich lautender Hinweis:
All descriptive and estimative language contained in this report reflects the reporter’s subjective interpretation at the time of the event. Such characterizations should not be interpreted as a conclusive indication of the presence or absence of any intrinsic object features or performance characteristics.
Alle in diesem Bericht enthaltenen beschreibenden und einschätzenden Formulierungen spiegeln die subjektive Interpretation des Berichterstatters zum Zeitpunkt des Ereignisses wider. Solche Charakterisierungen sollten nicht als schlüssiger Hinweis auf das Vorhandensein oder Fehlen bestimmter objektiver Merkmale oder Leistungscharakteristiken ausgelegt werden.
Diese Klarstellungen sind wichtig, da in der Diskussion um solche Indizien häufig auf das Unsolved/Unidentified verwiesen und mit Anomalien oder Außergewöhnlichem gleichgesetzt wird. Zu vielen der aktuelleren UAP-Aufnahmen wird auch auf laufende Untersuchungen seitens des UAP-Büros AARO hingewiesen. Zudem ist das aktuelle Release nur eines von mehreren. So sollen in den kommenden Wochen weitere Tranchen mit Veröffentlichungen folgen.
Am Ende der Seite findet sich die Auflistung der 158 Dokumente, die sich jeweils herunterladen lassen. Als Quellen werden das FBI, das DOW, das State Departement und die NASA angegeben. Eine erste Durchsicht der Dokumente zeigt eine breite zeitliche Einordnung, beginnend mit den späten 1940ern bis in die Gegenwart. Insbesondere die FBI-Dokumente decken die frühen Jahre ab und zeigen, was man damals, das Phänomen war ja noch relativ neu, alles zusammengesammelt hat. Das waren insbesondere auch Zeitungsausschnitte und Artikel aus Zeitschriften und Büchern, sowie viel Schriftwechsel, auch von privater Seite, auch mit Meldungen über "Flying Objects" oder "Flying Discs". Andere verwendete Begriffe waren "Unknown Aerial Phenomena" oder "Anomalous Luminous Phenomena". Die älteren Materialsammlungen erinnern teilweise an die Aktensammlung im Projekt Blaubuch der US Air Force in den 1960ern. Interessant ist da vor allem aus historischer Sicht, auch da einige bekannte Ereignisse aus dieser Epoche thematisiert werden, wie die Sichtung von Kenneth Arnold 1947, oder das Socorro-Ereignis 1964. Aber auch Ereignisse aus anderen Ländern finden sich, so der Oskar-Linke-Fall aus der ehemaligen DDR oder auch so Skurriles wie der Alien-Aprilscherz des Wiesbadener Tagblatts von 1950. Ein Dokument des DOW bezieht sich auf die Foo Fighter des zweiten Weltkriegs und enthält auch einen Bericht der 415th Night Fighter Squadron vom 30. Januar 1945, die darin erstmalig den Begriff Foo Fighter erwähnen. Interessant ist dazu, dass es in diesem Kontext auch Beschreibungen zylinderförmiger Objekte gibt. Ebenso findet sich ein Bericht eines ehemaligen deutschen Kriegsgefangenen zu einer Beobachtung aus dem Jahr 1944 südlich von Berlin. Ein deutschsprachiges Schreiben (mit englischer Übersetzung) verweist auf angebliche deutsche V-Waffen, allerdings ohne weiteren Kontext. Insofern bietet diese Aktensammlung die Möglichkeit, zeitgenössische Informationen zu früheren Ereignissen zu recherchieren.
Nachfolgend einige Beispiele aus den FBI-Akten
Die Dokumente des Kriegsministeriums (DOW) umfassen vorzugsweise gesammelte Sichtungsmeldungen in kompakter Form. Einmal als ältere „Check-List - Unidentified Flying Objects“ oder „Incident Summary Sheet“ und einmal als neuere „Misrep“ oder „Range Fouler Debrief Form“. Die Missionsberichte (Misrep) finden sich auch als Ergänzung zu einzelnen Fotos oder Videos mit zusätzlichen Angaben, sind vielfach aber auch in Teilen geschwärzt. Die „Range Fouler Debrief“-Formulare beziehen sich in der Regel auf Verletzungen militärischen Luftraums oder Einsatzbereichen.
Nachfolgend einige Beispiele aus den Akten des DOW
Interessanter wird es dann naturgemäß beim Bildmaterial, das aus FBI-, DOW- und NASA-Quellen stammt. Allerdings fällt auf, dass, abgesehen vom NASA-Material, alle Angaben zu den Aufnahmen geschwärzt sind und vielfach der Kontext fehlt oder nur knappe Angaben vorhanden sind. Details, auch technischer Natur, fehlen also. Ein Thread auf Metabunk befasst sich ausführlich mit den verschiedenen Aufnahmen, wozu sich hier auch zusätzliche Links mit den Videos und der Beschreibung auf der Webseite des DVIDS - Defense Visual Information Distribution Service Hub gibt. Über das Stichwort UAP finden sich auch die entsprechenden Unterlagen.
Typischerweise sind auf den Aufnahmen eher unscharfe und häufig überblendete Objekte zu sehen. Es scheinen größtenteils auch eher kleinere Objekte zu sein, bspw. zu sehen an Aufnahmen über Land. Meist fliegen die Objekte linear dahin und erinnern an Ballons oder dergleichen. Bei Richtungs- oder Geschwindigkeitsänderungen muss immer auch der aufnehmende Sensor bzw. die Eigenbewegung der Plattform berücksichtigt werden. So können abrupte Flugbahnänderungen auch auf eine Änderung des Sensorfokus beruhen, wie bspw. im Video DOW-UAP-PR49 zu sehen ist. Zu einer Aufnahme werden explizit 90°-Flugbahnänderungen des Objekts angegeben, was insofern einen näheren Blick lohnt, inwieweit es sich hier tatsächlich um Eigenbewegungen des Objekts handelt (DOW-UAP-PR34). Daneben gibt es ein Video mit einer „footballförmigen“ Form, die an luftschiffähnliche Aufklärungsballons der Navy erinnert (DOW-UAP-PR46). Ebenso findet sich ein sternförmiges Objekt auf einer Aufnahme, das allerdings über eine frühere Aufnahme als Beugungsgitter identifiziert werden konnte, also ein Kameraartefakt darstellt. Zudem erkennt man auf dem Video einen Fallschirm sowie Rauchschwaden (DOW-UAP-PR38). Ein Bild aus dem FBI-Datensatz zeigt ein Objekt, das einem Hubschrauber gleicht.
Wichtig ist bei den Videoaufnahmen der Hinweis in den kurzen Beschreibungen, wonach die Beschreibung nur zu Informationszwecken dient:
Leser sollten keinen Teil dieser Beschreibung als Ausdruck eines analytischen Urteils, einer Untersuchungsschlussfolgerung oder einer faktischen Feststellung bezüglich der Gültigkeit, Natur oder Bedeutung des beschriebenen Ereignisses interpretieren.
Nachfolgend einige Videobeispiele aus den Akten des DOW
Nachfolgend einige Bildbeispiele aus den Akten des FBI
Das oben erwähnte sternförmige Objekt, trat in ähnlicher Art vor etwa zwei Jahren schon einmal als Chandelier-UAP (Kronleuchter) auf, und wurde damals entsprechend als Kameraartefakt identifiziert, siehe dazu die folgenden Abbildungen.


Interesse dürften auch die Aufnahmen der NASA wecken, weil hier naturgemäß herkömmliche irdische Ursachen ausscheiden. Ursprung sind sowohl Gemini- als auch Apollo-Missionen. Darunter befinden sich Audioaufnahmen und -transkripte des Funkverkehrs, während der Beobachtungen, sowie einzelne Fotos. Eine Aufnahme von Apollo 17 zeigt drei Lichtpunkte, die eine Dreiecksformation bilden, wobei drei Punkte in der Regel ein Dreieck bilden, sofern sie nicht in einer geraden Linie stehen. Auch erinnern diese Fotos an frühere Apollofotos mit ähnlichen Lichtpunkten, die auf Reflexionen der verwendeten Hasselbladkamera beruhen. Entwickelte Filmrollen zeigen teils ähnliche Lichtpunkte außerhalb des eigentlichen Aufnahmebereichs, so dass auch andere Ursachen in Frage kommen. Eine sachliche Einordung der Apollo-Bilder liefert PetaPixel in einem Beitrag, in dem auch mehrere mögliche Erklärungen und Ursachen erwähnt werden, und der dazu festhält:
Die Analyse von UAP-Daten wird durch eine unzureichende Sensorkalibrierung, das Fehlen mehrerer Messungen, das Fehlen von Sensormetadaten und das Fehlen von Referenzdaten erschwert. ...
Aus diesen und vielen weiteren Gründen ist es wahrscheinlich, dass diese mysteriösen Bilder niemals vollständig aufgeklärt werden. Gute Wissenschaft erfordert große Mengen an verlässlichen Daten, und davon gibt es für die Apollo-UAPs nicht genug.
Die Apollo-UAP-Bilder sorgen nach ihrer Veröffentlichung durch das Verteidigungsministerium im Internet für großes Aufsehen, und die Fotos sind zugegebenermaßen interessant. Dennoch sind sie, wie auch die übrigen veröffentlichten Bilder, bemerkenswert weit davon entfernt, Beweise für außerirdisches Leben zu sein. ... Sollte die Regierung tatsächlich Beweise für Außerirdische vor der Öffentlichkeit verbergen, trägt die neue Bildveröffentlichung des Kriegsministeriums kaum dazu bei, dies zu klären.
Nachfolgend einige Bildbeispiele aus den Akten der NASA, sowie Reflexionsbeispiele
(Vorläufiges) Fazit:
Welche Erkenntnisse man nun aus dieser ersten Tranche ziehen kann, hängt auch vom eigenen Standpunkt und Kenntnisstand ab. Für Leute, die seit langem in der Szene aktiv sind und auch schon frühere Materialoffenlegungen miterlebt haben, dürfte der Erkenntnisgewinn begrenzt sein. Auch wenn vieles daraus vielleicht noch nicht veröffentlicht wurde, entspricht das dennoch dem, was man erwarten konnte, da es bisherigen Veröffentlichungen gleicht. Sowohl was die älteren Materialsammlungen angeht, also auch neuere Berichte oder BildmateriaL Das eine und andere daraus ist auch nicht gänzlich neu oder unbekannt, wie bspw. die NASA-Fotos, zu denen es entsprechende Aufnahmen seit Langem gibt. Dennoch sind die zeitgenössischen Informationen durchaus von Interesse, da sie die damalige Zeit widerspiegeln oder auch ergänzende Einblicke zu früheren Ereignissen bieten. Und auch wenn die derzeit vorgelegten Dokumente keine anomalen, nichtirdischen Flugobjekte belegen, so ist dennoch interessantes Material enthalten, das einen näheren Blick lohnt.
Ein größeres Interesse dürfte das aktuellere Bildmaterial wecken, das letztlich auch in etwa dem entspricht, was bislang schon freigegeben wurde oder bekannt ist. Häufig betonte und scheinbar anomale Verhaltensweisen lassen sich darauf allerdings nicht entdecken. Einzig das oben erwähnte Video mit den anscheinenden 90°-Flugbahnänderungen könnte hier Ansätze bieten. Insgesamt sind jedoch die ausstehenden oder teils laufenden Untersuchungen dazu abzuwarten. In den Unterlagen wird des Öfteren auf die AARO hingewiesen, wo entsprechende Untersuchungen laufen. Es dürften also von deren Seite noch Veröffentlichungen zu erwarten sein. Ein Kritikpunkt an dem Bildmaterial sind die geschwärzten (technischen) Informationen in den Aufnahmen und die sehr kurz gehaltenen ergänzenden Informationen, so dass häufig der genauere Kontext fehlt. Immerhin konnte bei den über Land aufgenommenen Videos teilweise der Ort der Aufnahme bestimmt werden, siehe dazu den Metabunk-Thread.
In jenem Metabunk-Thread wurde auch die Frage aufgeworfen, wieso keine Normalbildaufnahmen aus hochauflösenden Kameras darunter sind, die es eigentlich auch geben müsste. Dazu wurde geäußert, dass man bei klaren HD-Aufnahmen eben erkennen würde, was dahinter steckt und diese Aufnahmen daher keinen UAP-Bezug beinhalten. Da weitere Tranchen mit Veröffentlichungen anstehen, wird sich zeigen, was in der Hinsicht noch veröffentlicht wird. Wer sensationelle Enthüllungen erwartet hat, wurde zumindest dieses Mal enttäuscht. Freunde der Alien- oder NHI-Hypothesen werden vermutlich beklagen, dass die wirklichen Beweise immer noch geheim gehalten werden und auf die echte und wirkliche Disclosure hoffen. Befördert wird das von den einschlägigen medialen Sensationsjournalisten, irgendwelcher (neuer) "Whistleblower" und dem einschlägigen geheimnisvollen Geraune und irgendwelcher Gerüchte. Man kann aber auch einfach annehmen, dass das, was in solchen Aktensammlungen enthalten ist, eben das ist, was die haben und nicht mehr. Entsprechend hat sich die Regierung bei einem früheren Hearing nach dem Fly-by-Handyvideo eines Piloten aus dem Cockpit geäußert, auf dem nicht wirklich viel zu erkennen war, dass das eben das sei, was man habe.
Links:
→ Webseite des US-Kriegsministeriums zu UAP
→ Webseite des DVIDS - Defense Visual Information Distribution Service Hub
→ Diskussionsthread zum UAP-Release auf Metabunk
