Vorab an dieser Stelle der Hinweis, dass die Begriffe UFO und UAP auf dieser Website synonym verwendet werden. Da sich diese Webseite an die allgemeine interessierte Öffentlichkeit wendet, wird vorrangig von UFOs die Rede sein, da dies der eingeführte und allgemeinverständliche Begriff ist. Auch wenn UAP im Rahmen der neueren Forschung der bevorzugte Begriff ist, um vom objektlastigen Begriff UFO wegzukommen und einen breiteren Phänomenbegriff zu etablieren.
Ferner wird gemeinhin vom „UFO-Phänomen“ (oder eben UAP-Phänomen) im Singular gesprochen, was genaugenommen nicht ganz korrekt ist, da es sich hierbei nicht um ein einzelnes oder ein bestimmtes Phänomen handelt, sondern um eine ganze Reihe an verschiedenen Einzelphänomenen, die zudem auch voneinander unabhängig sein können. Insofern ist der Begriff Phänomen im Singular immer als Sammelbegriff für alle Aspekte und verschiedenen Phänomene zu verstehen, die im Zusammenhang mit UFOs bzw. UAP auftreten können.
Das UFO-Phänomen in der Anomalistik
Das UFO-Phänomen wird seit jeher insbesondere durch die Aussagen von Augenzeugen geprägt, die über ihre Beobachtungen und Erfahrungen mit ihnen unbekannten Phänomenen erzählen. Durch diese vorwiegend subjektbezogenen Erlebnisse lassen sich UFO-Erfahrungen den so genannten „außergewöhnlichen Erfahrungen“ (AgE) in der Anomalistik zuordnen, die Erlebnisse von Personen umfassen, die diese als ungewöhnlich empfinden und die gemeinhin als „paranormal“ oder „übersinnlich“ bezeichnet werden (Schmied-Knittel, 2015). Typische AgE sind demnach insbesondere parapsychologische Phänomene, Spuk, Vorahnungen, Wahrträume oder eben auch UFO-Ereignisse, wobei diese in Untersuchungen von AgE im Allgemeinen eine eher untergeordnete Rolle spielen, da diese von paranormalen Phänomene dominiert werden (Cardena et al., 2013; Schmied-Knittel, 2008; Truzzi, 2000). Die nachfolgende Abbildung zeigt bespielhaft außergewöhnliche Erfahrungen in der Anomalistik.

Ein typisches Merkmal von AgE und insbesondere UAP-Ereignissen ist deren Auftreten als Spontanphänomen, also unvermittelt, nicht vorhersehbar und überwiegend als kurzlebiges, flüchtiges Phänomen, das nur schwer fassbar ist (Anton & Ammon, 2015; Schmied-Knittel, 2015). Da solche Erfahrungen zudem unter unkontrollierten Bedingungen auftreten und nicht replizierbar sind, entziehen sie sich derzeit auch noch einer konkreten positiven Definition und stellen sich eher mehrdeutig dar. Als flüchtiges Phänomen liegt das UAP-Ereignis zum Zeitpunkt der Sichtungsmeldung in der Regel in der Vergangenheit, so dass es der Untersucher retrospektiv anhand der Zeugenaussage indirekt rekonstruieren muss, wobei jedoch lediglich die Wahrnehmung des Zeugen rekonstruiert werden kann, nicht das objektive Ereignis selber, das erschließt sich uns nicht.
Primäres und Sekundäres UFO-Phänomen
Grundlage jeglicher Befassung und Forschungen mit UFOs sind die zugrundeliegenden Ereignisse und deren Beurteilung und Klassifizierung. Forschungsgebiete umfassen dbei die Untersuchung von Einzelfällen und möglicher Ursachen, natur- und sozialwissenschaftliche Betrachtungen, Analysen aus Datensammlungen, fachliche Studien oder die Formulierung und Diskussion von Hypothesen zu ungeklärten Sichtungen. Das ist völlig unabhängig davon, in welcher Form oder in welchem Umfeld die Ereignisse stattfinden, seien es visuelle Beobachtungen, das Festhalten auf Foto oder Film, oder die Detektion mittels Radar oder anderer instrumenteller Systeme. Die Ereignisse selber können dabei in ganz unterschiedlicher Form auftreten, sei es als Objekte, Leucht- oder anderweitiges Phänomen, im Luftraum oder auch im Wasser. Auch Grenzerfahrungen wie bspw. Begegnungen mit fremden Entitäten, die mit dem UAP-Phänomen in Verbindung gebracht werden, können dazu gezählt werden.
Ausgehend von dieser Prämisse lässt sich das UFO-Phänomen in ein primäres und sekundäres Phänomen differenzieren, wobei die einzelnen Ereignisse und Begegnungserfahrungen sowohl identifiziert als auch unidentifiziert) das primäre Phänomen darstellen und alles darüber hinaus sekundäres. Falluntersuchungen, wie sie vorwiegend die privat organisierte UAP-Forschung durchführt, lassen sich demnach auch als primäre UFO-Forschung bezeichnen und andere Aktivitäten als sekundäre UFO-Forschung. Aufgabe der primären Forschung ist es, anhand von Einzelfalluntersuchungen die gemeldeten Sichtungen zu beurteilen, ggf. aufzuklären und den unidentifizierten Rest herauszufiltern und möglichst mit Evidenzen zu belegen. Diese Ergebnisse bilden die Grundlage für die Sekundärforschung. Die nachfolgende Abbildung zeigt eine Übersicht über das primäre und sekundäre Phänomen.
Das UFO-Sichtungsspektrum, was wird gesehen?
Ein typisches Merkmal von UFO-Sichtungserfahrungen ist, dass der Beobachtungsraum, in dem solche Erfahrungen stattfinden, praktisch unbegrenzt ist. Anders als bei den meisten anderen AgE, die in mehr oder weniger räumlicher Nähe zu den Personen stattfinden. Insofern können UFOs auch in größerer Entfernung zum Zeugen wahrgenommen werden, zumal sie gewöhnlich im Freien bzw. am freiem Himmel auftreten, wobei es aber auch Nahbegegnungen gibt, also Ereignisse in räumlicher Nähe zum Zeugen. Derartige Ereginisse sind jedoch nur ein kleiner Teil. Darunter fallen auch Begegnungserfahrungen mit fremden Entitäten, sofern diese mit UFOs in Verbindung gebracht werden. Zudem kommt es gelegentlich zu besonderen, subjektiven Erfahrungen, die sich im Bewusstsein der Betroffnen abspielen, wozu auch der von der britischen UFO-Forscherin Jenny Randles beschriebene Oz-Faktor zählt und der als eine Art bewusstseinsverändernde Erfahrung geschildert wird (Randles, 1983).
Der entsprechend großzügige Beobachtungsraum führt aber auch dazu, dass nicht nur eine relativ große Menge an Sichtungen gemeldet wird, sondern darunter auch eine große Anzahl an herkömlichen Objekten und Phänomenen als Verursacher solcher Sichtungen auftreten. Einfach da sie aufgrund der Umstände, wie die Beobachtungsperspektive, Entfernung und anderer umwelt- und wahrnehmungsbedingten Umstände, nicht als solche erkannt werden. Aufgabe der primären Forschung ist es, anhand von Einzelfalluntersuchungen die gemeldeten Sichtungen zu beurteilen, ggf. aufzuklären, den unidentifizierten Rest herauszufiltern und möglichst mit Evidenzen zu belegen und so die Grundlage für weitere Foschungen zu legen.

Eine kleine Geschichte der UFOs
Das UFO-Thema wurde und wird auch von mehrere Ereignissen geprägt, die auch viele Vorstellungen geprägt haben, wie wir sie auch heute noch kennen. Lässt man Frühzeit und Mittelalter aus der Betrachtung weg, ist es die Zeit kurz vor der Jahrhundertwende zum 20. Jahrhundert, als mit den mysteriösen Luftschiffen seltsame Objekte am Himmel beschrieben wurden, damals auch unter dem Eindruck von Jules Verne und seiner phantastischen Literatur. Ab 1947 spricht man vom neuzeitlichen UFO-Phänomen, als auch der Begriff UFO eingeführt wurde und systematische Untersuchungen stattfanden. Neben markanten UFO-Ereignissen sind es auch popkulturelle Einflüsse, die unser Bild geprägt haben. Heute häufig vernachlässigt werden dabei Publikationen aus dem Bereich der Sci-Fi der 1930er und 40er Jahre, die sehr viele Motive zum Besuch von Außerirdischen und Entführungen enthielten, wie wir sie später auch im neuzeitlichen Phänomen wiederfinden. Aber auch der Kinofilm von Steven Spielberg 1977 (im deutschen als "Unheimliche Begegnung der dritten Art") verarbeitete und verbreitete damalige Narrative rund um UFOs. Es sind solche popkulturellen Einflüsse, die immer auch unser Bild über UFOs mitbestimmen.
Die nachfolgende Grafik zeigt komprimiert einige ausgewählte Ereignisse und Einflüsse. Eine solche Darstellung kann und soll natürlich nicht umfassend sein, sondern nur einen Eindruck zum Thema verschaffen.

Quellen
Anton, A., & Ammon, D. (2015). UFO-Sichtungen. In G. Mayer, M. Schetsche, I. SchmiedKnittel, & D. Vaitl (Hrsg.), An den Grenzen der Erkenntnis: Handbuch der wissenschaftlichen Anomalistik (S. 332-345). Schattauer. https://www.anomalistik.de/images/pdf/handbuch/Anomalistik-Handbuch_25_AntonAmmon_UFO-Sichtungen.pdf
Cardeña E., Lynn S., & Krippner S. (Eds.). (2013). Varieties of Anomalous Experience: Examining the Scientific Evidence (2nd Ed.). American Psychological Association. https://psycnet.apa.org/doi/10.1037/10371-000
Randles, J. (1983). UFO Reality: A critical look at the physical evidence. Robert Hale. https://files.afu.se/Downloads/Books/Other/Randles%2C%20Jenny%20-%20UFO%20Reality.pdf
Schmied-Knittel, I. (2008). Außergewöhnliche Erfahrungen: Repräsentative Studien und aktuelle Befunde. Zeitschrift für Anomalistik, 8, 98-117. https://www.anomalistik.de/images/pdf/zfa/zfa2008_123_098_schmied-knittel.pdf
Schmied-Knittel, I. (2015). Verbreitung außergewöhnlicher Erfahrungen. In G. Mayer, M. Schetsche, I. Schmied-Knittel, & D. Vaitl (Hrsg.), An den Grenzen der Erkenntnis: Handbuch der wissenschaftlichen Anomalistik (S. 40-50). Schattauer. https://www.anomalistik.de/images/pdf/handbuch/AnomalistikHandbuch_03_Schmied-Knittel_AgE-Verbreitung.pdf
Truzzi, M. (2000). The Perspective of Anomalistics. In W. F. William (Ed.), Encyclopedia of Pseudoscience (pp. XXIII -XXVI). Facts on File.
