Erkenntnisse aus der UFO-Forschung

Seit der Offenlegung des früheren Pentagon-UFO-Programms AAWSAP/AATIP im Jahr 2017 und der sich daraus ergebenden öffentlichen Berichterstattung und Diskussion, was im UFO-Bericht der UAP Task Force im vergangenen Jahr und dem kürzlichen UAP-Hearing gipfelte, genießt das Thema insgesamt eine höhere Aufmerksamkeit, auch in manchen wissenschaftlichen Kreisen, wie sich an neuen Projekten zur UAP-Forschung, wie dem Galileo-Projekt des Harvard-Astronomen Avi Loeb oder dem SkyCAM-Projekt von Prof. Kayal von der Universität Würzburg, ablesen lässt. Nicht wenige sehen darin einen Paradigmenwechsel zur UFO-Thematik, der endlich eine anerkannte und zielführende Forschung zulässt. Abgesehen davon, dass der UFO-/UAP-Hype vor allem eine US-amerikanische Sichtweise darstellt, vorangetrieben durch einen zusammenhängenden dortigen Kreis von UFO-Fans, und auch, dass sich diverse Wissenschaftler aus verschiedenen Fachbereichen schon lange mit Aspekten zum UFO-Phänomen befassen, gibt es eine durchaus erfolgreiche und langjährige, private UFO-Forschung, die sich auch mit wissenschaftlichen Methoden der Untersuchung des Phänomens widmet. Eine ganze Reihe solcher Forscher und Organisationen im In- und Ausland arbeiten seit Jahrzehnten und haben eine Menge an wichtigen Erkenntnissen gewonnen, die im aktuellen Hype teilweise untergehen oder kaum Berücksichtigung finden. Natürlich unterscheiden sich die jeweiligen Schlussfolgerungen je nach Sichtweise und während manche die außerirdische Präsenz für erwiesen halten, sehen andere das genau entgegengesetzt. Letztlich zählen jedoch die Fakten, die zumindest für eine außerirdische Präsenz ein eher düsteres Bild zeichnen. Im Grunde spiegeln die wesentlichen Kernaussagen des UAP-Berichts auch genau die Erkenntnisse der privaten UFO-Forschung, wie dass es keine einfache, sondern ganz unterschiedlche Erklärungen für UFO-Sichtungen gibt, dass eine Vielzahl an Sichtungen mangels ausreichender Informationen ungeklärt ist, oder dass auch hinter manchen ungeklärten Sichtungen diverse herkömmliche Objekte oder technische bzw. Sensorfehler stecken können.

Hierzulande existieren mit CENAP und GEP zwei langjährige Gruppen, die einer eher wissenschaftlich-kritischen Sichtweise folgen und dieses und nächstes Jahr ihre 50jährigen Jubiläen feiern. Zu den Schlussfolgerungen ist man sich nicht in allen Teilen einig, wobei die jeweiligen Erkentnnisse und auch das Fallmaterial bei näherer Betrachtung eigentlich die Richtung vorgeben und die ETH eher unwahrscheinlich erscheinen lassen, was auch von mehreren aktiven Forschern aus deren Reihen so gesehen wird. Das bedeutet jedoch nicht, dass es noch eine ganze Reihe an interessanten und nicht beantworteten Fragestellungen gibt. Denn auch wenn man nicht von einer fremden, intelligenten, Implikation im derzeitigen UFO-Phänomen ausgeht, bedeutet das nicht, dass alles geklärt ist bzw. alle Fragen bereits beantwortet sind. Das schließt auch nicht aus, dass (weiterhin) durchaus interessante Sichtungen stattfinden, die sich dem Anschein nach einer herkömmlichen Erklärung entziehen, zumindest dem aktuellen Erkenntnisstand nach. Ebensowenig schließt das ggf. atmosphärische Anomalien, zumindest für einige wenige Sichtungen, nicht aus. Auch in den Fallarchiven kritischer Untersucher finden sich Fälle, die sich aktuell einer stimulibasierten Erklärung zu entziehen scheinen. Die Frage hierbei ist jedoch, in welchem Kontext man derartige Sichtungen beurteilt.
Oder wie es der skeptische Forscher Robert Schaeffer ausdrückte: "Die Existenz außerordentlicher Berichte legt nicht zwangsläufig die Existenz außergewöhnlicher Objekte nahe. Es ist durchaus möglich außerordentliche Berichte und Zeichnungen von gewöhnlichen Objekten zu bekommen".

Wir möchten hier einige Erkenntnisse aus der langjährigen, sachlich-kritisch und wissenschaftlich privaten UFO-Forschung vorstellen. Eine insgesamt beachtete Rezeption nach 70 Jahren UFOs haben 2017 die beiden bekannten UFO-Forscher Vicente-Juan Ballester Olmos aus Spanien und Thomas E. Bullard aus den Vereinigten Staaten verfasst, die ihrerseits ein etwas unterschiedliches aber dennoch mehr oder weniger nüchternes Fazit ziehen. Eine komplette deutsche Übersetzung deren Statements findet sich im Journal für UFO-Forschung der GEP (Nr. 234, 235). Die Statements wurden im Juni 2017 auf dem Fotocat Blog von Ballester-Olmos veröffentlicht und stehen im Original als PDF auf Academia.edu zur Verfügung. Ulrich Magin hat für uns eine kleine Zusammenfassung daraus angefertigt, die wir als erstes nachfolgend zitieren.

70 Jahre UFOs - und was nun?
Eine Zusammenfassung von Ulrich Magin

Ballester Olmos schließt nach 50 Jahren aktiver Forschung, dass 70 Jahre UFO-Forschung nichts gebracht haben – weil es kein UFO-an-sich zu erforschen gibt. „Ich befürchte, dass 70 Jahre Luftzwischenfälle, nahe Begegnungen, Radarkontakte, Fotos und Videos und weitere scheinbar erstaunliche Erfahrungen zusammengenommen nicht beweisen, dass sich [außerirdische] Besuche ereignet haben. Die Indizien reichen als Beweis einfach nicht aus. Um aber realistisch zu bleiben: Die Menschen werden den Mythos der Fliegenden Untertassen nicht aufgeben. [...] In der einen oder anderen Form wird es diese Mythologie auf ewig geben. Schließlich sind die bodenständigen Aufklärungen im Vergleich dazu langweilig und öde und nur für eine Handvoll Akademiker von Interesse. [...] nach 70 Jahren [...] ist alles, was wir haben, Berichte über ambivalente Phänomene, die unterschiedlich aussehen und sich jeweils anders verhalten. Die meisten Fälle, die interessant scheinen, haben sich vor Jahren ereignet, und keine der Tausende von sogenannten Landeereignissen hat je irgendeinen Beleg von Aussagekraft hinterlassen. Je weiter sie zurückliegen, desto mehr lesen sich die einst überzeugend wirkenden Fälle wie Anekdoten und Geschichten. Als Indizien für einen Besuch durch Außerirdische sind sie immer weniger glaubhaft. Ich möchte meine fünf Jahrzehnte eigener Forschung [...] mit einem Zitat von [...] Hilary Evans aus dem Jahr 1988 beenden: ‚Wenn wir etwas aus diesem wunderbaren Mythos lernen wollen, den wir selbst geschaffen haben, dürfen wir nie eine Tatsache aus dem Blick verlieren – dass es bloß ein Mythos ist.`“

Thomas E. Bullard zeigt sich vorsichtig optimistischer, was UFOs und die Zukunft der UFO-Forschung angeht: „Ein Vergleich zweiter Samples mit Fällen mit UFO-Besatzungen zeigte bei den glaubwürdigeren Berichten deutlichere Präferenzen für Beschreibungsoptionen auf, als es bei den allgemeinen Meldungen der Fall ist. Diese Übereinstimmungen könnten auf kulturellen Faktoren beruhen, auf den Einstellungen des Untersuchers, oder eben auf echte Beobachtungen im Gegensatz zu reiner Einbildung. Zumindest halte ich diese Möglichkeit für untersuchungswert. Ein höchst lebendiger Mark Twain meinte einmal: ‚Die Gerüchte über meinen Tod sind stark übertrieben.‘ Dasselbe, über UFOs gesagt, ist vielleicht nahe an der Wahrheit, jedenfalls muss der 70. Jahrestag nicht das Ende der Geschichte sein. Vielleicht greife ich – wie ein wahrer Gläubiger – nach dem sprichwörtlichen Strohhalm, aber ich erkenne nach wie vor ein echtes Geheimnis inmitten von all dem Schutt und den Irrwegen, mindestens jedoch einen Weg für bislang noch nicht erforschte oder nur unzureichend erforschte Fragestellungen. Solange das noch so ist, sehe ich eine Zukunft für die Ufologie.“

Zwar wurde 2017 der 70jährige Jahrestag der Kenneth Arnold-Sichtung in der UFO-Szene allgemein gewürdigt, jedoch vermissen kritische Untersucher eine notwendige Diskussion des Forschungsstands verbunden mit einer ggf. notwendigen Neuausrichtung der Forschungsbemühungen anhand konkreter Forschungsfragen und Hypothesen.

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Als weiteres Beispiel möchten wir ausführlicher die seit mittlerweile 65 Jahren bestehende, dänische SUFOI zitieren, die eine umfassende Erfahrung und hohes Ansehen besitzt und auch Ansprechpartner des dänischen Verteidigungsministeriums ist. Die SUFOI hat anlässlich ihres 50- und 60jährigen Jubiläums (2007 und 2017) Publikationen zu ihrer Arbeit und den gewonnene Erkentnnissen und Schlussfolgerungen herausgegeben, die aus unserer Sicht die Situation treffend wiedergeben und die auch die Erkentnnisse vieler Kollegen aus dem In- und Ausland wiederspiegeln. Mit Erlaubnis der dänischen Kollegen möchten wir deren lesenswerten Statements zu den Jubiläen, die auf deren englischen Infoseite zugänglich sind, hier auf deutsch übersetzt wiedergeben. Die Publikation zum 50. ist auf dänisch frei verfügbar.

50 Jahre mit UFOs
- Schlussfolgerungen nach 50 Jahren Untersuchung von Berichten

Die Scandinavian UFO Information (SUFOI) wurde im Jahr 1957 gegründet. Seitdem hat SUFOI rund 15.000 Berichte über ungewöhnliche Luftphänomene gesammelt und verarbeitet. Die Erfahrungen aus dieser Arbeit sind in dem Buch 50 år med ufoer (50 Jahre mit UFOs) zusammengefasst, das anlässlich des 50-jährigen Jubiläums der SUFOI erschienen ist. Hier folgen die wichtigsten Schlussfolgerungen daraus.

Berichte sind der Kern des Phänomens
Unsere Kenntnisse über das UFO-Phänomen beruhen ausschließlich auf den mündlichen und schriftlichen Berichten über Beobachtungen von Luftphänomenen. Mit anderen Worten, die Berichte bilden den Kern des Phänomens, und wenn wir über UFOs sprechen, sind es tatsächlich die Berichte über UFOs, die wir diskutieren.

Von der Zeugenaussage zur Erfahrung
Die Berichte der Zeugen sind kein "objektives Zeugnis" über das beobachtete Phänomen. Vielmehr sind die Berichte Ausdruck persönlicher Erfahrungen. Sie sind daher immer eine Interpretation des Phänomens, das zu der Erfahrung des Zeugen geführt hat. Eine Interpretation, die in einigen Fällen sehr nahe an der tatsächlichen Erscheinung des Beobachteten liegt - in anderen sehr weit davon entfernt ist.

Aus dieser Einsicht folgt, dass den Zeugen eine Schlüsselrolle bei der Analyse des UFO-Phänomens zukommt. Es ist von entscheidender Bedeutung zu untersuchen, inwieweit die Wahrnehmungspsychologie sowie psychologische und kulturelle Bedingungen die Erfahrungen der Zeugen beeinflussen.

Ein Teil der Erfahrungen der Zeugen von Luftphänomenen sind ihre emotionalen und psychologischen Reaktionen. Die Zeugen reagieren sehr unterschiedlich - von besonnen und sachlich, über Nervosität oder leichter Unruhe, bis hin zu regelrechtem Schrecken und Panik. Es besteht jedoch nur ein schwacher Zusammenhang zwischen der Reaktion der Zeugen und der Frage, wie gut ihre Beobachtungen später erklärt werden können.

Falsche Wahrnehmung ist ein häufiges Phänomen
Falsche Wahrnehmungen - eine falsche Interpretation von Sinneseindrücken - sind sehr häufig bei Beobachtungen von Luftphänomenen. Dies gilt insbesondere für nächtliche Sichtungen, die den Großteil der SUFOI-Fälle ausmachen. Entfernungs- und Größeneinschätzungen sind meist falsch, aber auch die Eindrücke von Form und Bewegung sind oft falsch.

Die Zeugen erleben die falsche Wahrnehmung als genauso "echt" oder "richtig", als wenn es eine "richtige" Wahrnehmung wäre. Ein falsches Urteil, z. B. über die Entfernung oder die Form des Phänomens, erscheint dem Zeugen genauso "wahr" wie eine richtige Beurteilung. In vielen Fällen ist die Erfahrung der Zeugen mit der falschen Wahrnehmung "gestört", was was ihren Versuch erschwert, das Gesehene zu identifizieren. Außerdem verstärkt in vielen Fällen die falsche Wahrnehmung die außergewöhnlichen und bizarren Merkmale des Zeugenerlebnisses, zum Beispiel, wenn ein Zeuge das Gefühl hat, von einem fernen Licht, wie einem Stern, verfolgt zu werden.

Nicht alle Unstimmigkeiten zwischen der tatsächlichen Erscheinung eines Phänomens und der Erfahrung des Zeugen können als Ergebnis einer "normalen" falschen Wahrnehmung erklärt werden. In einigen Fällen gibt es ungewöhnlich große Abweichungen, was darauf hindeutet, dass psychologische und kulturelle Bedingungen eine Rolle spielen, wobei die Erfahrungen aus der SUFOI-Untersuchungsarbeit keine eindeutigen Rückschlüsse auf die Bedeutung der Psychologie zulassen.

Kulturelle Einflüsse
In bestimmten Fällen wird angenommen, dass kulturelle Vorstellungen über das UFO-Phänomen die Erfahrungen der Zeugen so einfärben, dass diese Erfahrungen deutlich von dem tatsächlichen Aussehen und Verhalten des Phänomens abweichen. In diesen Fällen besteht eine Tendenz, das Beobachtete zugunsten der vorherrschenden Vorstellungen von UFOs zu fehlinterpretieren. Dadurch wird das Gefühl der Fremdheit bei den Zeugen noch verstärkt.

Falsche Verbindungen führen in die Irre
In einer Reihe von bemerkenswerten Fällen stellen die Zeugen eine Verbindung zwischen mehreren voneinander unabhängigen Phänomenen her, die dann als ein Phänomen erlebt werden. Diese falschen Verbindungen machen die Erlebnisse der Zeugen sehr merkwürdig - nicht nur für die Zeugen selbst, sondern auch für die Ermittler der SUFOI. Solche Fälle sind daher schwer zu klären, und oft ist es nur eine gründliche Untersuchung und/oder reines Glück, die eine Erklärung zu Tage fördern. Allein aus diesem Grund ist davon auszugehen, dass es unter den ungeklärten Fällen mehrere gibt, die falsche Verbindungen beinhalten.

Vielfältigkeit des IFO-Phänomens
Wir sind täglich von unzähligen natürlichen und vom Menschen verursachten Phänomenen umgeben, die unter den richtigen Bedingungen zu "UFO-Erfahrungen" führen können. Die Mehrheit der SUFOI-Berichte lassen sich daher durch bekannte Phänomene erklären (auch als "IFO Phänomene" bezeichnet - IFO steht für Identifiziertes fliegendes Objekt).

Aufgrund der Vielfalt der möglichen IFO-Phänomene ist es in den meisten Fällen nicht möglich, im Voraus zu bestimmen, welche Phänomene die Ursache für eine tatsächliche Sichtung sein könnten. Der Aufwand für die Identifizierung einer Beobachtung ist daher vergleichbar mit der Identifizierung eines Bildes aus einer begrenzten Anzahl von Fragmenten dieses Bildes - von denen einige durch falsche Wahrnehmung, kulturelle Einflüsse, psychologische Bedingungen usw. "verzerrt" sein können.

Unter Berücksichtigung dieser Überlegungen muss es unter den ungeklärten Fällen zwangsläufig Ereignisse geben, die hätten ermittelt werden können, wenn der Ermittler Zugang zu den richtigen Informationen gehabt hätte. Wie viele Fälle das sind, lässt sich jedoch nicht feststellen. Außerdem bedeutet diese Erkenntnis, dass wir die Unterscheidung zwischen UFO- und IFO-Berichten aufgeben müssen, wenn wir unter "UFO-Berichten" Berichte über Phänomene verstehen, die "wirklich" außergewöhnlich sind und die sich wesentlich von den IFO-Phänomenen unterscheiden.

Die vielen Gesichter des UFO-Phänomens
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Untersuchungen der SUFOI zeigen, dass es nicht nur eine, sondern sondern viele Erklärungen für die Erfahrungen der Menschen gibt, und dass diese an vielen Stellen gesucht werden müssen. Der Begriff "UFO-Phänomen" umfasst also eine Vielzahl von Phänomenen und Faktoren, die jeweils ihre eigene Rolle spielen. Einige davon betreffen eine große Anzahl von Beobachtungen (z.B. falsche Wahrnehmung), während andere für eine geringere Anzahl von Beobachtungen von Bedeutung sind. Zusammen bilden diese Phänomene und Faktoren alle Teile des Puzzles namens UFOs. Mit anderen Worten, das UFO-Phänomen hat "viele Gesichter"!

Daraus folgt auch, dass jede einzelne Sichtungsmeldung als individuelle Meldung behandelt und verstanden werden sollte. Deshalb müssen wir in jedem einzelnen Fall durch eine gründliche Informationen klären, welche Phänomene und Faktoren möglicherweise bei der Sichtung eine Rolle gespielt haben könnten.

Die Untersuchungsarbeit gibt keine endgültige Antwort auf die Frage: Was sind UFOs? Sie trägt jedoch eine große Anzahl von Elementen zur allgemeinen Erklärung des UFO Phänomens bei, indem sie die Bedingungen und Phänomene dokumentiert, die zu "UFO-Sichtungen" führen können.

60 Jahre UFO-Forschung
Auszüge aus UFOs – Mythen und Fakten

Der UFO-Mythos ist ein interpretativer Bereich
Die Menschen sind schon immer mit mysteriösen Luftphänomenen konfrontiert worden. In der zweiten Hälfte der 1940er und Anfang der 1950er Jahre gaben der Kalte Krieg und das kulturelle Klima diesen Phänomenen eine konkrete Form in Form von fliegenden Untertassen und später von UFOs, die als außerirdische Besucher interpretiert wurden - und das hat sich seitdem nicht wesentlich geändert.

Von Kim Møller Hansen

In den späten 1940er und frühen 50er Jahren widmete die US-Luftwaffe den UFO-Sichtungen und -Zeugen viel Aufmerksamkeit. Das Thema wurde respektiert und ernst genommen, als sich die Air Force damit befasste, Berichte über UFO-Begegnungen zu sammeln und Analysen des Phänomens durchzuführen. Im Laufe der Jahre wurde Project Blue Book zu einem selbstgemachten PR-Albtraum für die Air Force. Es besteht kein Zweifel daran, dass die Untersuchungen der Air Force und die Versuche der Behörden, die Sichtungen zu erklären, dazu beigetragen haben, Verschwörungsfans zu ermutigen.

Es ist kein Zufall, dass wichtige Elemente des UFO-Mythos auf den Südwesten der USA, insbesondere New Mexico und Nevada, zurückgehen. Hier fungierten die Air Force und die CIA als Hebammen bei der Geburt des UFO-Mythos, als sie Skyhook-Ballons und die streng geheimen Flugzeuge des Kalten Krieges testeten, darunter die U-2, die A-12 Oxcart, Tarnkappenflugzeuge und zahllose fortschrittliche Waffensysteme. Die geheimen Versuche und Testflüge trugen wesentlich zur Entwicklung des UFO-Mythos bei.

Offizielle Untersuchungen und Analysen des UFO-Mythos und das Berichtsmaterial von UFO-Organisationen auf der ganzen Welt zeigen eindeutig, dass es unzählige natürliche und von Menschen gemachte Phänomene und Objekte gibt, die entweder allein oder in Verbindung mit psychologischen, soziologischen, wahrnehmungsbezogenen und kulturellen Faktoren Auslöser für UFO-Begegnungen sein können, darunter auch solche, die sehr seltsam erscheinen. Abgesehen von den Weltraumwesen selbst, hat man festgestellt, dass alles zu UFO-Sichtungen führen kann. Oder mit anderen Worten: Es gibt absolut keinen Grund, auf außerirdische Raumschiffe, außerirdische Wesen und so weiter zurückzugreifen, um unsere Erfahrungen zu erklären. Wenn es eine vernünftige, plausible Erklärung gibt, warum dann zur unwahrscheinlichsten greifen, nämlich zu Besuchen aus anderen Welten?

UFOs, die als Raumschiffe interpretiert werden, sind eine Frage des Glaubens. Viele Menschen haben offenbar das Bedürfnis zu glauben, dass wir besucht werden, vielleicht weil die Besucher ihnen die Hoffnung geben, dass die menschliche Rasse Teil von etwas Größerem ist - ein Mitglied einer universellen Familie.

Die Fernsehserie Akte X hat Aussagen wie "Die Wahrheit ist da draußen", "Traue niemandem" und "Ich will glauben" zur Doktrin für viele UFO-Enthusiasten gemacht, die auch wissen wollen, welche UFO-Geheimnisse die Machtelite verbirgt. Aber die Enthusiasten sind selten an den Antworten interessiert, sie wollen lieber die Fragen offen halten.

Aber ist die schiere Zahl der UFO-Sichtungen nicht ein zwingender Grund zu glauben, dass an dem ganzen Gerede etwas dran ist? In der Tat ist es ein Trugschluss zu behaupten, dass je mehr UFO-Sichtungen, desto stärker die Beweise, dass die Erde besucht wird. Eine solch überwältigende Anzahl von UFO-Sichtungen beweist keineswegs die Existenz von Außerirdischen, die die Erde besuchen, sondern zeigt lediglich, dass es relativ häufig zu Luftphänomenen kommt, die wir uns nicht sofort erklären können.

Man kann sogar argumentieren, dass die große Zahl von UFO-Sichtungen der beste Beweis dafür ist, dass wir nicht besucht werden. Wenn wir davon ausgehen, dass jede UFO-Sichtung einem Besuch von Außerirdischen entspricht, dann würde die Erde jedes Jahr Tausende von Besuchen erhalten, und zwar, nach Zeugenaussagen zu urteilen, in verschiedenen Schiffen, die von Piloten gesteuert werden, deren Aussehen von insektenähnlichen Kreaturen über kleine, böse und sexbesessene Wesen mit übergroßen Köpfen und starrenden Augen bis hin zu sanften, menschengroßen, blonden Außerirdischen, die telepathisch motivierende Botschaften zur Unterstützung der menschlichen Rasse übermitteln. Darüber hinaus kommunizieren diese fortgeschrittenen Außerirdischen, die eine Technologie kontrollieren, die Lichtjahre lange Reisen ermöglicht, mit der menschlichen Rasse durch primitive Piktogrammbotschaften in Maisfeldern, führen endlose genetische Tests an unseren Haustieren und fast wie am Fließband wiederholt Klonexperimente an entführten Menschen durch.

In einer Welt, in der Menschen die Bausteine des Lebens aus DNA-Fragmenten abbilden können, erscheint es albern, dass "Wir-können-dich-durch-Wände-beamen"-Außerirdische sich immer noch einen Spaß daraus machen, Sonden in die Nasen entführter Personen zu stecken und an den Geschlechtsteilen ihrer Opfer herumzudoktern. Wenn man alle UFO-Berichte unkritisch für bare Münze nimmt, dann leben wir in einer völlig verrückten Welt! Außerdem, wenn so viele Raumschiffe in unserer Atmosphäre herumtuckern, ist es sehr seltsam, dass es nicht einen einzigen Beweis für ihre Existenz gibt.

Die Analyse von Tausenden von UFO-Sichtungen zeigt, dass, wenn eine Erklärung für ein scheinbar unerklärliches Ereignis gefunden wird, die Lösung nicht immer nur auf das Geschick, die Gründlichkeit und das Wissen des Untersuchers über Luftphänomene, falsche Wahrnehmungen usw. zurückzuführen ist, sondern auch auf eine nicht unerhebliche Portion Glück und ein gewisses Maß an Zufälligkeit. Ein solches Glück oder ein solcher Zufall ist nicht immer vorhanden, und trotz guter und gründlicher Ermittlungen kann es vorkommen, dass ein Fall ungelöst bleibt. Vielen Menschen fällt es schwer, dies zu akzeptieren, aber es ist eine Tatsache. Man muss einfach akzeptieren, dass es Ereignisse gibt, die trotz aller Bemühungen hier und jetzt nicht angemessen erklärt werden können - ohne dass dies bedeutet, dass etwas Geheimnisvolles oder Übernatürliches im Spiel sein muss.

Die Geschichte des UFO-Mythos zeigt - zum Beispiel, wenn alte Archive veröffentlicht werden und neue Daten das Licht der Welt erblicken oder wenn neue Sichtungen an UFO-Organisationen gemeldet werden - dass das, was heute rätselhaft und unerklärlich erscheint, morgen erklärt werden kann und unser Wissen über uns selbst und unsere Umgebung erweitern kann.

Die Geschichte des Mythos zeigt auch, dass die Akteure jedes Jahrzehnts versuchen, diese Begegnung mit dem Unbekannten so zu interpretieren, dass sie kulturell akzeptabel ist. Die Antworten sind nicht, wie in der Fernsehserie The X-Files, sondern in uns selbst und in unserer unmittelbaren Umgebung zu finden. Wenn wir eines Tages die Antwort auf die Frage "Gibt es intelligentes Leben im Weltall?" erhalten sollten, wird sie nicht von einer UFO-Organisation oder UFO-Enthusiasten kommen, sondern wahrscheinlich von der Astronomie und der Weltraumforschung.

Wir erleben die Welt so, wie wir es glauben oder wie wir sie uns wünschen
Viele UFO-Enthusiasten haben festgestellt, dass sie, je mehr UFO-Sichtungen sie untersuchten und je mehr sie sich mit dem UFO-Mythos beschäftigten, sich immer mehr vom Glauben an Besucher aus dem All entfernten. Es geht nicht um die Lösung eines Rätsels (d. h. um die Suche nach einer Antwort auf die Frage "Werden wir vom Weltall besucht?"), sondern um die Erforschung der vielen verschiedenen Phänomene und Ereignisse, die zu UFO-Begegnungen führen können. Wir erleben die Welt so, wie wir es glauben oder wie wir sie uns wünschen, und das spiegelt sich im Berichtsmaterial deutlich wieder.

Auch wenn die Arbeit des SUFOI zu dem Schluss geführt hat, dass die Erde nicht aus dem Weltraum besucht wird, erforscht die Organisation das UFO-Phänomen weiter. Erstens sind wir daran interessiert zu verstehen, was normale Menschen erleben und warum wir Luftphänomene (Flugzeuge, Fallschirmfackeln, Himmelslaternen, Meteore, brennenden Weltraumschrott, den Mond, Sterne usw.) als Besuche aus dem Weltraum interpretieren. Zweitens wollen wir die Entwicklung des UFO-Mythos weiter analysieren, verstehen und interpretieren.

So wie in der Grafik links stellen sich viele Menschen eine UFO-Begegnung vor, aber das ist sehr weit von der Realität entfernt.

Die Wahrheit liegt nicht da draußen, wie es bei Akte X heißt, sondern viel mehr auf der Erde. Dies und die Arbeit der SUFOI sind die Themen von "UFOs - Mythen und Fakten".

Referenzen
Webseite der SUFOI Dänemark
Englische Sektion der SUFOI
Buch "50 Jahre mit UFOs" als PDF (dänisch)

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